Mobiles Arbeiten bei Mercedes:
Vertrauen schlägt Präsenz
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Mobiles Arbeiten ist kein Trend mehr. Es ist vielmehr Alltag und ein klarer Standortfaktor. Studien zeigen, dass Beschäftigte durch mobiles Arbeiten im Schnitt 4,4 Stunden pro Woche gewinnen. Diese Zeit verpufft nicht. Sie fließt in Konzentration, Familie und Regeneration. Das erhöht Motivation und Leistungsfähigkeit. Trotzdem werden die Rufe nach mehr Präsenz wieder lauter. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt.
Wer glaubt, Produktivität entstehe durch Anwesenheit, hat Führung nicht verstanden. Führung muss gelebt werden, mit klaren Zielen und mit realistischen Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen. Ergebnisorientierung schlägt Präsenzkontrolle. Denn wer Ergebnisse will, muss nach Ergebnissen führen. Volle Parkplätze ersetzen keine Führung.
Moderne Führung bedeutet Vorbildfunktion: Führungskräfte sind vor allem Ankerpunkte für ihre Teams. Physische Präsenz vor Ort ist dann sinnvoll, wenn sie Orientierung bietet, spontane Abstimmungen ermöglicht und Wissen weitergibt. Präsenz um der Präsenz willen ist nicht produktiv. Im Büro zu sitzen und Videocalls zu führen, weil alle anderen woanders sind, ist ineffizient und ehrlich gesagt absurd.
Mercedes war hier einmal Vorreiter. Gleitzeit und mobiles Arbeiten waren Ausdruck von Vertrauen und kultureller Stärke. Diese Haltung hat über viele Jahre zum Unternehmenserfolg beigetragen. Wer einen historischen Vorreiter für Flexibilität sucht, landet schnell bei Gottlieb Daimler oder dem Leitsatz „Das Beste oder nichts“. Modern gedacht heißt das, das Arbeitsumfeld muss so gewählt werden, dass es die beste Leistung ermöglicht. Mal ist das Büro, mal das mobile Arbeiten. Entscheidend ist das Ergebnis, nicht der Ort.

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Mobiles Arbeiten ist kein Elternthema, vielmehr betrifft es alle. Junge Beschäftigte mit neuen Lern- und Lebensmodellen sowie erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeitskraft langfristig erhalten wollen. Sowohl im indirekten Bereich als auch in der Werkstatt. Nicht jede Tätigkeit ist mobil leistbar, aber viele Arbeitsschritte lassen sich vorbereiten, strukturieren und neu organisieren. Andere Unternehmen zeigen, dass das funktioniert.
Besonders widersprüchlich wirkt der Blick von außen. Mercedes positioniert sich als Vorreiter, das Auto selbst zum mobilen Office weiterzuentwickeln und Kunden maximale Flexibilität zu bieten. Intern wird diese Flexibilität zunehmend infrage gestellt. Das passt nicht zusammen.
Mercedes steht vor einer klaren Entscheidung: Mehr Kontrolle, die zu Demotivation und Abwanderung führt oder mehr Vertrauen, die Bindung, Stabilität und Leistung schafft. Gerade in Zeiten des Wandels ist das entscheidend.
Unser Anspruch ist eindeutig: Die Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten muss erhalten bleiben. Sie muss weiterentwickelt werden, mit klaren Regeln, mit verbindlichen Standards und mit Führung, die Verantwortung übernimmt. Und vor allem mit Vertrauen in die Menschen, die dieses Unternehmen tragen.
GEMEINSAM STARK – Nicht vergessen, am 10. März 2026 Liste 3 – NEUE PERSPEKTIVE wählen!
