Wir gestalten die Zukunft jetzt

KI in der Arbeitswelt

Wir gestalten die Zukunft jetzt

06.03.2026 Berufsverband 0
KI in der Arbeitswelt: Wir gestalten die Zukunft jetzt

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Digitalisierung und KI verändern unsere Arbeit schneller, als wir unsere Gremien und Prozesse anpassen. Besonders deutlich zeigt sich das in der Automobilindustrie, wo Stellenabbau und Kostendruck spürbar sind. Vernetzte Fertigung, Assistenzsysteme in der Produktion und automatisierte Entscheidungsunterstützung sind in vielen Bereichen längst Realität. Technologien sollen Arbeit erleichtern, nicht Beschäftigte ersetzen oder überwachen. Deshalb geht es jetzt um Mitbestimmung, Transparenz und klare Regeln. Wer heute nicht genau hinschaut, muss später mit den Folgen leben.

KI kann Prozesse vereinfachen, Fehler reduzieren und Zeit sparen. Das gilt auch für Tools wie Copilot oder automatisierte Auswertungen in Planung, Qualitätssicherung oder HR. Entscheidend ist jedoch, wie diese Systeme eingeführt werden. Sobald KI Arbeitsabläufe verändert, Leistung bewertet oder Überwachung ermöglicht, greift die Mitbestimmung. Nicht als Selbstzweck, sondern als echter Schutz. KI darf kein reines Effizienzprogramm werden, das im zunehmendem Maße im Jobabbau endet. Gute Digitalisierung denkt Arbeit vom Menschen aus, nicht von der Software.

Ein zentraler Punkt sind Daten. Denn KI entscheidet nicht klüger als die Daten, mit denen man sie trainiert. Sind die Daten fehlerhaft oder einseitig, trifft die Maschine falsche Entscheidungen und man muss mit den Konsequenzen leben.

Praktisch heißt das: Systeme brauchen transparente und geprüfte Datenflüsse. Unternehmen müssen die Verantwortung für Datenqualität definieren und auch leben in Form von regelmäßigen Audits. Gerade in der Automobilindustrie, in der Kennzahlen zu Leistung, Qualität und Produktivität eine große Rolle spielen, braucht es klare Regeln. Transparenz ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Vertrauen.

KI-Systeme wie Copilot betreffen Arbeitsabläufe und können auch Überwachung ermöglichen. Ihre Einführung unterliegt daher der Mitbestimmung, zum Beispiel nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Wir müssen gemeinsam entscheiden, wie Systeme gestaltet werden, welche Aufgaben sie übernehmen und wie sie unsere Arbeit sichtbar machen.

Dabei gilt eine klare Realität: KI wird bald in nahezu jedem System stecken. Anwendungen ohne KI werden zur Ausnahme. Genau deshalb braucht Mitbestimmung einen klaren und pragmatischen Rahmen. Eine gute Rahmenvereinbarung schützt die Interessen der Beschäftigten und ermöglicht gleichzeitig, dass sich das Unternehmen schnell an das KI Zeitalter anpassen kann.

Ohne Beschäftigte am Tisch entstehen Systeme, die Effizienz versprechen, aber Menschen übergehen. Gutes Systemdesign beginnt mit Beteiligung.

Wir fordern klare Regeln zur Datenherkunft, zur Löschung und zu Zugriffsrechten. Wir brauchen Pilotphasen mit Beschäftigtenfeedback, bevor Tools großflächig eingeführt werden. Gleichzeitig brauchen wir einen pragmatischen Umgang mit kleinen Lösungen und Anwendungen mit geringem Risiko. So lassen sich unerwünschte Effekte früh erkennen, zum Beispiel wenn ein Qualitätsprüfalgorithmus wiederholt Bauteile einer bestimmten Schicht benachteiligt.

Besonders sensibel ist der Einsatz von KI im Personalbereich. Bewerberauswahl, Talentprogramme oder Leistungsbewertungen gelten nach EU Recht als Hochrisiko. Und das aus gutem Grund.

Algorithmen sind selten neutral. Sie lernen aus historischen Mustern und übernehmen oft ungewollt Vorurteile aus alten Datenbeständen. Häufig verstärken sie diese sogar unbemerkt. Frauen, ältere Beschäftigte oder Kolleginnen und Kollegen mit Migrationsgeschichte geraten dabei schnell ins Hintertreffen. Deshalb gilt eine klare Linie. Keine Personalentscheidung darf allein eine Maschine treffen. Der Mensch trägt Verantwortung und hat das letzte Wort.

Wir fordern Transparenz und Einblick in Kriterien und Entscheidungswege. Wir bestehen auf menschlicher Kontrolle bei Einstellungsentscheidungen. Schulungen helfen, denn nur wer versteht, wie ein System arbeitet, kann es kritisch begleiten.

Gleichzeitig müssen wir früh klären, wie KI als digitaler Kollege in Prozesse und Zusammenarbeit integriert wird. Systeme übernehmen zunehmend eigenständige Aufgaben. Deshalb brauchen auch KI Systeme klare Regeln. Dazu gehören Auswahl, Einsatz, regelmäßige Leistungsprüfung sowie ein geregeltes On- und Offboarding von KI-Kollegen. Auch Fragen von Organisation und Führung verändern sich, wenn Teams mit sogenannten KI-Kollegen arbeiten. Diese Fragen gehören nicht in eine ferne Zukunft. Die Entwicklung läuft schnell. Deshalb müssen wir sie jetzt gemeinsam klären.

Klar ist auch, eine wachsende Nutzung von KI darf keinen Personalabbau nach sich ziehen. Auch wenn sich KI in den kommenden Jahren vom Werkzeug zum digitalen Kollegen weiterentwickelt, darf sie nicht zur Bedrohung für die Belegschaft werden. Ein strukturierter Ansatz für ein Insourcing ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Er schafft Sicherheit für Beschäftigte und stärkt gleichzeitig das Know how im Unternehmen.

Der Betriebsrat spielt hier eine Schlüsselrolle. Mitbestimmung ist kein Bremsklotz. Sie ist Schutz und Gestaltungsinstrument zugleich. Sie macht Systeme besser und rechtssicher. Betriebsvereinbarungen zu KI regeln Nutzung, Datenschutz, Transparenz und Qualifizierung. Sie sorgen dafür, dass Beschäftigte wissen, was passiert, und die Fähigkeiten bekommen, mit neuen Tools umzugehen. Wenn wir unsere Rechte nutzen und mit dem Arbeitgeber zusammenarbeiten, wird KI zum Werkzeug für gute Arbeit. Nicht zum Risiko für Arbeitsplätze.

Kurz gesagt: Neugierig bleiben und gleichzeitig kritisch prüfen. Transparenz einfordern und Mitbestimmung sichern sowie Qualifizierung ermöglichen. So wird KI zur Chance für bessere, sicherere und fairere Arbeit in unserer Branche. Die Entscheidung fällt jetzt.